Apr 5

Nachschlag, Ehre und Missverständnisse - Eine kritische Betrachtung der Bologneser Nachschlagregeln im Licht der Quelle von ca. 1531

Die Interpretation historischer Fechtquellen ist eine der größten Herausforderungen im Historischen Fechten. Besonders dann, wenn aus knappen, normativen Textstellen konkrete Turnierregeln abgeleitet werden sollen.

Ein prominentes Beispiel dafür ist die Passage zur risposta (Nachschlag) aus Antonio Manciolino’s Opera Nova von 1531[1] – und ihre Umsetzung im heutigen DDHF-Regelwerk für das Bologneser Fechten.

Dieser Artikel vergleicht:
  1. die quellennahe Interpretation der Textstelle,
  2. die Umsetzung im Regelwerk,
  3. und zeigt abschließend ein alternatives, näher an der Quelle orientiertes Regelmodell.

1. Zur Quelle allgemein

Die Spiel- und Wettkampfform der Opera Nova des Antonio Manciolino beschreibt kein chaotisches „freies Fechten“, sondern ein klar strukturiertes Spiel- bzw. Wettkampfsystem (gioco), das technischen Anspruch, taktische Kontrolle und ästhetische Bewertung miteinander verbindet. Fechten erscheint hier als regelgebundene Interaktion zweier Gegner, bei der nicht bloß das Treffen entscheidet, sondern wie, wann und unter welchen Bedingungen ein Treffer erzielt wird.

Zentral sind die Prinzipien von Tempo (timing), misura (Distanz) und guardia (Position). Treffer werden unterschiedlich gewichtet – etwa Kopf höher als Fuß – während bestimmte technisch sinnvolle Aktionen (wie der Schlag auf die Hand) im Spiel bewusst nicht zählen. Dadurch entsteht ein System, das nicht rein auf Effektivität im Ernstkampf zielt, sondern Fechtkunst sichtbar und vergleichbar macht.

Gleichzeitig unterliegt das Verhalten klaren Erwartungen: Gute Fechter handeln kontrolliert, antworten im richtigen Moment (Riposte), vermeiden unüberlegte Angriffsketten und zeigen ihre Überlegenheit durch Präzision, Timing und Eleganz. Auch defensive Aktionen wie das Ausweichen oder Parieren besitzen einen eigenen ästhetischen Wert.

Insgesamt zeigt die Quelle ein Wettkampfverständnis, das zwischen martialischer Praxis und performativer Kunst steht: Es geht nicht nur darum zu treffen, sondern darum, überlegen zu fechten – für den Gegner wie für die Zuschauer erkennbar.

Manciolino macht sehr bewusst klar, dass das Spielsystem nicht einfach Realität abbildet, sondern didaktisch und bewertend eingreift.

2. Die zentrale Textstelle – worum geht es eigentlich?

Italienisch Opera Nova 1531
"Giucando duo insieme è piu lodeuole chi ferisse di risposta: che quello che ferisse di primo colpo: perche dimostra piu tosto incrudelirsi: che perder il uigore dopoi la receuuta percossa.



Non è lecito dopoi il receuuto colpo far piu di una risposta scorrendo innanzi con un uarco: ilperche con tutto l’ingegno si deue far buona: conciosiacosa che con quella si possi ricuperar l’honore.


Il colpo nella testa: per la eccellentia di tanto membro è riceuuto per tre: & il colpo nel piede si toglie per dui hauendo riguardo a la malageuolezza di farlo cosi basso.


Valoroso giocatore è quello che radoppia li colpi.
"
Übersetzung Hochdeutsch
Wenn zwei miteinander fechten, ist derjenige lobenswerter, der in der Antwort (risposta) trifft, als derjenige, der mit dem ersten Hieb trifft; denn jener zeigt eher Standhaftigkeit und Entschlossenheit,
als dass er nach dem empfangenen Treffer an Kraft verliert.

Es ist nicht erlaubt, nach einem empfangenen Treffer 
mehr als eine einzige Antwort zu geben, indem man mit einem Schritt (varco) vorgeht; daher muss man mit aller Kunstfertigkeit dafür sorgen, dass diese gut ausgeführt wird, da man mit ihr seine Ehre wiedergewinnen kann.

Ein Treffer am Kopf wird wegen der Vorzüglichkeit dieses Körperteils als drei gezählt; ein Treffer am Fuß gilt als zwei, in Anbetracht der Schwierigkeit, ihn so tief anzubringen.

Ein tapferer Fechter ist derjenige,
der die Hiebe verdoppelt (raddoppia).
Dieser Textabschnitt der Quelle beschreibt Regeln beim "Fechtspiel" also dem geselligen Fechten oder Wettkampffechten um 1531.

Das Wettkampffechten in

Die Quelle sagt dabei im Kern drei Dinge:

  • Der Nachschlag (risposta) ist lobenswert, sogar mehr als der Ersttreffer
  • Nach einem Treffer ist genau eine Antwort erlaubt
  • Diese Antwort muss kunstgerecht ausgeführt werden, da man mit ihr „die Ehre wiedererlangen kann“

Zusätzlich wird zwischen Trefferwertung (Kopf = 3, Fuß = 2, Rest (vermutlich)= 1) und dieser Regel klar unterschieden. Handtreffer sind ungültig![2]

👉 Entscheidend:
Die Quelle verbindet risposta nicht explizit mit Punkten, sondern mit „honore“ (Ehre).

Die risposta ist dabei nicht im modernen Sinne als „Nachschlag“ zu verstehen, sondern als Teil des fortlaufenden Fechtgeschehens im richtigen Zeitpunkt. Sie entsteht aus dem Tempo des Gefechts heraus und ist keine isolierte Zusatzaktion nach einem bereits abgeschlossenen Treffer.

3. Was ist die risposta?

Die risposta ist keine isolierte Gegenaktion im modernen Sinne, sondern Teil des fortlaufenden Fechtgeschehens.

Sie entsteht aus dem richtigen Zeitpunkt heraus und ist in den Fluss des Gefechts eingebunden.

Sie muss nicht, wie im modernen Sinne, zwingend mit einer Klingen-Parade verbunden sein. Wichtiger ist das Tempo, in welchem sie stattfinden, nämlich nach dem Angriff des Gegenüber. Auch das "Verhauen" eines  Gegners oder das körperliche Ausweichen (Körperparade) können der Ausgangspunkt für eine risposta sein. Entsprechend dieser Vorstellung von Tempo, kann auch ein Treffer nach einem erlittenen Treffer ebenfalls als risposta bezeichnet werden.

Manciolino scheint klar zu sein, dass ein Ernstkampf nicht nach einem erhaltenen Treffer beendet sein muss und das Antworten des Gegner soll aus Gründern der Sicherheit und Kunst begrenzt werden. 

Damit unterscheidet sie sich grundlegend vom modernen Begriff des „Nachschlags“, der meist einzig allein eine technisch erlaubte Aktion nach einem bereits gewerteten Treffer bezeichnet.


4. Regel und Fechtpraxis

Die Passage macht deutlich, dass es sich um eine Regel im Schimpf/Spiel/Wettkampf und nicht für den Ernstkampf handelt:
  • Nach einem Treffer ist nur eine Antwort erlaubt

Das bedeutet:
  • Die risposta ist grundsätzlich Teil des Fechtens
  • Das Regelwerk greift aber ein und begrenzt sie künstlich

Ziel der Eingrenzung durch die Regel ist es:
  • Unkontrollierte Nachschläge nach Treffern eingrenzen
  • stoppt Eskalation
  • zwingt zur Kontrolle
  • erlaubt nur eine saubere, überlegte Antwort

5. Was bedeutet „honore“ in diesem Kontext?

Die Quelle sagt, dass man mit der risposta seine Ehre wiedererlangen kann. Eine rein moderne Lesart würde „Ehre“ moralisch verstehen. Im Kontext der Quelle ist das jedoch zu kurz gegriffen.

Honore ist nicht moralisch im modernen Sinne zu verstehen, sondern beschreibt die Qualität des fechterischen Handelns. Der Begriff wird in der Quelle mehrfach gebraucht, sowie in anderen zeitgenössischen bologneser Fechtquellen. Daraus lässt sich das Verständnis des Begriffs herleiten. 

Wahrscheinlicher ist daher:

„honore“ = fechterischer Status, Würde, Ansehen, Qualität, regelgerechtes Verhalten oder auch 

Einen Treffer zu erhalten allein bedeutet keinen Ehrverlust. Das bedeutet:

  • Ein Treffer allein nimmt dir nicht deine Ehre
  • Aber dein Verhalten danach kann sie mindern oder bewahren


Entscheidend ist vielmehr, ob ein Fechter:

  • Kontrolle bewahrt
  • technisch sauber handelt
  • im richtigen Moment reagiert



Die risposta ist also:

👉 keine Punktmechanik

👉 sondern eine Chance zur Demonstration von Können und Kontrolle

6. Das Problem moderner Lesarten

Moderne Regelwerke interpretieren diese Passage häufig als Grundlage für ein Punktesystem, in dem sowohl der Ersttreffer als auch die Antwort(risposta) gewertet werden können.

Dies führt zu Konzepten wie:
  • Austausch von Treffern
  • Doppeltreffer
  • Gleichsetzen von Doppeltreffer und Nachschlag
  • mechanische Nachschläge

Doch diese Lesart ist nicht zwingend durch die Quelle gedeckt. In der Quelle erlangt der ripostierende Fechter keinen Trefferpunkt.

7. Die Logik der Quelle

Die Passage unterscheidet klar zwischen zwei Ebenen:

  • Treffer werden gezählt
  • Verhalten wird bewertet


Die risposta gehört zur zweiten Ebene.

Die Struktur ist bemerkenswert klar:

  • Treffer → wird gezählt
  • risposta → wird bewertet, nicht gezählt


Das bedeutet:

  • Eine gute Antwort verbessert die Bewertung
  • Eine schlechte Antwort bringt keinen Vorteil
  • Mehrere Antworten sind unzulässig


Und:

  • mehr als eine risposta → verboten
  • schlechte risposta → erlaubt, aber wertlos
  • gute risposta → stellt „honore“ wieder her


👉
Es geht also um Disziplin, Kontrolle und technische Qualität sowie Sicherheit nicht um Schlagabtausch.

8. Ein oft übersehener Punkt: Gleichzeitigkeit

Auffällig ist, dass die Quelle keinen eigenständigen Begriff für gleichzeitige Treffer kennt.

Dies legt nahe, dass solche Situationen nicht als regulärer Ausgang eines Gefechts verstanden werden, sondern als Folge fehlerhaften Timings oder mangelnder Kontrolle.

Das Fechten wird also nicht als Austausch simultaner Treffer gedacht, sondern als zeitlich geordnetes Geschehen.

9. Das DDHF-Regelwerk – was wird daraus gemacht?


Text im DDHF Regelwerk:

"„Nachdem du einen Treffer erhalten hast, darfst du nicht mehr als einen Gegenangriff mit einem einzigen Schritt nach vorne durchführen; konzentriere all deine Gedanken auf diesen Gegenangriff, denn mit diesem wirst du deine Ehre zurück erlangen.

Ein Schlag zum Kopf zählt für drei, aufgrund der Nobilität dieses Teils des Körpers.
Ein Schlag zum Fuß zählt für zwei, in Ehrerbietung der Schwierigkeit einen solch
niedrigen Angriff durchzuführen.“ (Antonio Manciolino, 1531 – übersetzt von Martin
Höppner)"[3]
Ein wichtiger Aspekt des modernen Bologneser Regelwerks ist dabei, dass es in der Poolphase nicht primär auf die reine Anzahl oder Wertigkeit von Treffern ausgelegt ist.

In der Poolphase erfolgt die Wertung der Kampfergebnisse zunächst danach, wie viele Waffengänge ein Fechter ohne Treffer übersteht. Erst nachrangig werden Trefferpunkte zur weiteren Differenzierung herangezogen.

Das System ist damit bewusst so angelegt, dass der Selbstschutz gegenüber der bloßen Trefferakkumulation priorisiert wird.

Gerade vor diesem Hintergrund ist jedoch bemerkenswert, dass der Nachschlag innerhalb dieses Systems dennoch als wertbare Aktion behandelt wird.

Denn auch wenn die Regel bei Manciolino als Begrenzung eines gefährlichen Moments verstanden werden kann, folgt daraus nicht zwangsläufig, dass eine solche Handlung im Sinne eines Punktesystems positiv zu bewerten ist.

Hier zeigt sich eine Verschiebung:
Eine ursprünglich verhaltensregulierende Vorschrift wird im modernen Regelwerk in eine wertungsrelevante Kategorie überführt.

Das DDHF-Regelwerk übernimmt mehrere Aspekte der Quelle korrekt::

  • eine Antwort nach Treffer ist erlaubt
  • maximal ein Schritt
  • Begrenzung der Aktion

Aber es geht einen entscheidenden Schritt weiter:
👉 Die risposta wird in das Punktesystem integriert

Das bedeutet praktisch:
  • Gegenangriffe können gewertet werden
  • Doppeltreffer entstehen
  • Gleichstellung von Erstangriff und Antwort
  • die risposta wird Teil des „Scorings“

10. Das Problem: Eine implizite Umdeutung

Hier liegt der zentrale Unterschied:

Quelle:
  • Treffer = Wertung
  • risposta = Qualität / „Ehre“

DDHF:
Treffer & risposta = gemeinsame Wertung

👉 Damit wird aus einer normativen Verhaltensregel ein mechanisches Punktesystem.

11. Warum diese Umdeutung passiert

Das ist kein Fehler aus Nachlässigkeit, sondern ein strukturelles Problem moderner Turniere:

Ein modernes Regelwerk will:

  • klare Entscheidungen
  • messbare Ergebnisse
  • wenig Interpretationsspielraum

👉 „honore“ ist dafür zu:
  • subjektiv
  • kontextabhängig
  • schwer standardisierbar

Also wird es ersetzt durch:
👉 Punkte

12. Was dabei verloren geht

Durch diese Transformation geht ein zentraler Aspekt verloren:

👉 Die risposta-Regel ist ursprünglich kein Mittel zum Gewinnen, sondern ein Mittel zur Selbstkontrolle und Indikator für Fechtqualität.

Die Quelle bewertet nicht einfach nur:
„Wer trifft mehr?“

sondern auch:
„Wer verhält sich wie ein guter Fechter?“

Durch das Punkten mit der Riposta im DDHF Regelwerk und das Gleichsetzen mit Doppeltreffern, wird der Nachschlag nicht mehr qualitativ gewertet und zum Zweck der Sicherheit eingeschränkt, sondern es wird vielmehr dazu erzogen, unbedingt noch einen Nachschlag zu machen, um mehr Punkte zu erhalten. Da der Nachschlag auch nicht an Qualität (kunstgerecht) gebunden wird.  

Die Wertung in der Poolphase nach Gängen ohne Gegentreffer macht es für jeden im Waffengang stets sinnvoll nach erhaltenem Treffer dem anderen noch irgendwie mit einem Nachschlag, wenn auch unkontrolliert, einen Treffer zu versetzen. Denn so bekommt man, wenn man stets den Kopf anvisiert die höhere Punktzahl und nimmt dem anderen seinen eventuellen Gang ohne Gegentreffer.  

13. Begriffsklärung: "Nachschlag"

Ein zentrales Problem moderner Interpretation liegt eventuell auch im Begriff „Nachschlag“.

Dieser ist doppelt belegt:

  • historisch: Handlung im Fechtfluss (vergleichbar mit der risposta)
  • modern: erlaubte Zusatzaktion nach einem Treffer

Diese Doppelverwendung führt zu erheblichen Missverständnissen.

Die historische risposta ist Teil des Gefechts, während der moderne „Nachschlag“ eine Regelkonstruktion darstellt.

Im Folgenden wird daher zwischen historischer Fechtlogik und moderner Regelmechanik klar unterschieden.

14. Wie eine quellennahe Interpretation aussehen könnte

Wenn man die Passage ernst nimmt, ergibt sich ein anderes System:
  • Treffer bleiben messbar
  • risposta bleibt qualitativ
  • „Ehre“ wird nicht gezählt, sondern beurteilt

Das führt zu einem hybriden Modell:
👉 Quantitative Treffer + qualitative Bewertung

15. Vorschlag: Ein quellennahes Alternativregelwerk für die Riposta

Grundprinzip

Ein Gefecht(3 Gänge/Treffen) bewertet:

  1. Treffer (colpi)
  2. Fechtqualität (honore)

Trefferwertung

  • Kopf: 3
  • Fuß: 2
  • erster gültiger Treffer zählt

Ablauf eines Austauschs

  1. Angriff
  2. Treffer
  3. optional: eine risposta
  4. Abbruch

Regola della risposta

  • genau eine Antwort erlaubt
  • maximal ein Schritt
  • keine Fortsetzung danach

Bewertung der risposta

Kunstgerecht:

  • kontrolliert
  • technisch sauber
  • angemessen

👉 „honore“ gewahrt / wiederhergestellt


Nicht kunstgerecht:

  • unsauber
  • hektisch

👉 kein Regelverstoß, aber:

  • kein „honore“-Gewinn

Regelwidrig:

  • mehrere Aktionen
  • Nachsetzen
  • Kontrollverlust

👉 Sanktionen (Verwarnung / Ausschluss)


Rolle des Kampfrichters

Der Richter entscheidet:

  1. Wer hat getroffen?
  2. Wie war die risposta?

Siegbedingung

  • höhere Trefferwertung gewinnt
  • bei Gleichstand:
    👉 entscheidet honore


16. Der entscheidende Unterschied

Das alternative System verschiebt den Fokus:

Modern (DDHF)

  • Riposta = Punktwertung (quantitative Wertung)
  • Riposta = Angriff = Doppeltreffer
  • Keine Abgrenzung zum Doppeltreffer
  • Ziel: Treffen bzw. Punkten
  • Schlechte Nachschläge werden nicht geahndet
  • Nachschlagen hat immer Vorteile

Quellennah

  • Riposta ≠ Punktwertung
  • Riposta = qualitative, zusätzliche Wertung
  • Punkte + Verhalten 
  • Risposta = Eingrenzung von Nachschlag
  • Gute Riposta positive Wertung
  • Schlechte Ripsota negative Wertung und Ahndung
  • Ziel: Qualität und Sicherheit im Nachschlage und Fechten

17. Fazit

Das DDHF-Regelwerk ist:

👉 ein konsistenter und praxisorientierter moderner Ansatz

aber:
👉 keine direkte Umsetzung der Quelle

Die historische Passage beschreibt  höchstwahrscheinlich:
  • kein Punktesystem für Nachschläge
  • sondern eine Regel zur Kontrolle von Gewalt, Verhalten und Fechtkunst

18. Schlussgedanke

Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis:

Ziel des Fechtens ist es, den Gegner zu treffen, ohne selbst getroffen zu werden.
Wo dies nicht gelingt, zeigt sich die Qualität des Fechters darin, ob er auch nach einem Treffer Kontrolle, Maß und richtiges Timing bewahrt.

Und genau das versucht diese Quelle zu lehren.

Wenn wir das ernst nehmen, müssten unsere Regelwerke nicht nur messen, wer gewinnt – sondern auch, wie jemand gewinnt. Das DDHF Regelwerk versucht dies, schafft es aber nicht umzusetzen.

Dieser Artikel bildet den Ausgangspunkt einer mehrteiligen Betrachtung historischer Fechtlogik und moderner Regelwerke.

In den folgenden Teilen wird zunächst der Begriff des „Doppeltreffers“ im Vergleich zwischen Manciolino und späteren Systemen wie Barbasetti untersucht, bevor die deutsche Schule mit ihren Konzepten von Vor, Nach, Gleich und Indes einbezogen wird.

Den Abschluss bildet der Entwurf eines modernen, historisch fundierten IN MOTU Regelwerks.


Endnoten
[1] Vorsicht bei der Übersetzung ins Englische auf der Wiktenauer Website, welche sehr fehlerbelastet ist.
[2] „Si come il ferire della mano non del nemico è riceuuto nel conto del giocare per colpo. Perche la mano è primiera nel scoprirsi, cosi nel combatter da douero questa è la piu singolare ferita, perche quello membro del nemico si deue offender, il quale te piu de glialtri offende, & questo è la mano.“ Auf Deutsch: „So wie das Treffen der Hand des Gegners im Spiel nicht als Treffer gezählt wird, weil die Hand als erstes entblößt ist, so ist sie im ernsthaften Kampf die vorzüglichste Verwundung; denn man soll jenes Glied des Gegners angreifen, welches einen selbst am meisten angreift – und das ist die Hand.
[3] Deutscher Dachverband Historischer Fechter e.V. : Bologneser Regelwerk, Turnierregelwerk für alle Waffen, Offizielles DDHF-Regelwerk, 2024, abrufbar unter: https://ddhf.de/wp-content/uploads/2022/05/DDHF-Bologneser-Regelwerk-v1_1.docx.pdf (05.04.2026).
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